Spielerisch neue Mitarbeiter finden – per App

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Spielerisch neue Mitarbeiter finden – per App

Es ist nicht einfach, auf dem Arbeitsmarkt – das gilt für Arbeitsuchende genauso wie für Unternehmen.

Nicht selten kosten Vermittlungsagenturen Firmen Tausende Franken, ohne eine Garantie dafür zu bekommen, am Ende auch einen passenden Bewerber einstellen zu können. Arnim Wahls, der Gründer des Startups Firstbird, kennt die Problematik. Er war früher als Headhunter tätig, die Preise der Agenturen für eine Jobvermittlung kennt er bestens. Die Idee zu Firstbird kam dem jungen Unternehmer, als er in seinem alten Job einen Mitarbeiter vermittelte, der bereits drei Mitarbeiter im Unternehmen kannte. «Dieses Potenzial müsste man doch irgendwie nutzen können», dachte sich Wahls.
Die Idee für seine Empfehlungs-Software war geboren. Mitarbeitende können über die App im eigenen Unternehmen geeignete Kandidaten auf eine ausgeschriebene Stelle vorschlagen und erhalten dafür Punkte in der App. Das Unternehmen kann die Punkte dann auf Prämien umrechnen. Wer rund 200 Punkte hat, bekommt einen Bonus vom Chef. Das Teilen von Jobangeboten in sozialen Netzwerken wird dabei mit weniger Punkten versehen als die persönliche Empfehlung, auf die eine tatsächliche Bewerbung folgt.

Sozialer Filter

«Das Ziel war es, das ganze Potenzial der Mitarbeiter bei der Findung eines geeigneten Kandidaten oder einer geeigneten Kandidatin für einen Job auszuschöpfen. Durch die spielerischen Elemente schaffen wir einen Anreiz, dass die Mitarbeiter auch wirklich bei der Suche nach einem neuen Kollegen helfen», sagt Wahls. Wenn ein Headhunter diese Aufgabe übernehe, seien die Kosten vor allem bei spezialisierteren Jobs nurmehr schwer kontrollierbar. Diese Kosten könne man sich sparen und erhalte gleichzeitig geeignete Mitarbeitende. «Durch eine Empfehlung profitieren die Unternehmen genauso wie die Mitarbeiter. Diese bekommen ein Stimmrecht und können aktiv das Unternehmen mitgestalten. Zudem ist eine Empfehlung auch immer schon eine Art Filter, ob die Person zum Unternehmen passt oder eben nicht», sagt Wahls.

App-Ziel ist, einer der grössten Headhunter zu werden

Niemand arbeite gerne mit jemandem zusammen, von dessen Fähigkeiten er nicht überzeugt ist. Schlechte Eigenschaften des Kandidaten fallen zudem auf einen selbst zurück, weshalb die Empfehlung eine gute Vorauswahl darstelle, die deutlich persönlichere Aspekte habe als eine blosse Bewerbung auf dem Papier, die sich ausschliesslich auf den Werdegang des Bewerbers bezieht. «Es wird ein professionelles Umfeld abgedeckt, das man mit klassischen Agenturen kaum abdecken kann», so Wahls. «Alte Studien- oder Arbeitskolleginnen oder -kollegen beispielsweise, das sind Menschen, auf die Headhunter nur schwer stossen, wenn sie lediglich bekannte Karrierenetzwerke durchforsten.»
Natürlich gebe es auch Hindernisse. Die Voraussetzung für die sinnvolle Verwendung der App sei, dass das Arbeitsklima im Unternehmen stimme, so Wahls. Ohne ein gutes Klima in der Firma wird sich kein Mitarbeiter und keine Mitarbeiterin dazu bewegen lassen, eine Empfehlung auszusprechen, ist er sich sicher. Dieser Aspekt sei entscheidend, völlig egal, welcher Markt zuerst angegangen wird.

Version für KMU

Auch bestimmte Bereiche sind weniger geeignet für die Empfehlung per App. So ist es in der IT-Branche besonders schwer, geeignete Mitarbeiter zu finden. Auch Teamleiter ab einem gewissen Gehalt sind eher schwer zu erreichen. Ab sechsstelligen Jahresgehältern ist die Erfolgsquote der Anwendung eher niedrig anzusetzen. Das heisst aber im Umkehrschluss nicht, dass es in manch anderen Teilen der Industrie automatisch einfacher ist, beispielsweise bei Mitarbeitenden in einem Produktionsbetrieb. Für mittelständische bis grosse Unternehmen funktioniere das System aber sehr gut.
Das erste Ziel der App ist, einer der grössten Headhunter Europas zu werden, so Wahls. «Der osteuropäische Markt ist dabei noch kaum erschlossen, weshalb Firstbird zunächst in dieser Region expandieren will», so der Geschäftsführer. Die Bewerber haben zudem einen Vorteil, den andere Bewerber auf dem Markt nicht haben: Sie bekommen persönliche Einblicke und ungefilterte Stimmen aus dem Unternehmen. «Es wird meist der gleiche Schlag Mensch empfohlen», so Wahls. «Das kann mitunter Vor- und Nachteil zugleich für ein Unternehmen sein» – beispielsweise wenn es keine abweichenden Meinungen mehr gebe.

Zwei Versionen

Die Anwendung gibt es in zwei Versionen: Eine ist für KMU buchbar, die andere wurde für grosse Firmen konzipiert. Bei den Suchprozessen kommt es manchmal auch zu sehr überraschenden Ergebnissen: so etwa die Vermittlung eines Mitarbeiters durch einen Bekannten, der im Unternehmen seine Sandkastenliebe wiederfand. «Mit solchen Menschen arbeitet man doch lieber zusammen als mit unbekannten Kollegen, von denen man nicht ganz überzeugt ist», sagt Wahls.
Dass das Konzept aufgeht, zeigen Zahlen der Erfinder. Während bei einer Stelle auf dem freien Markt etwa 100 Bewerbungen pro Einstellung kommen, sind es über die App etwa 3,75 Bewerbungen pro Einstellung.

Quelle: Handelszeitung online / 27.08.2017 / Matthias Olschewski

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  • 05 Sep 2017
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